HELISKIING IN NEUSEELAND

 

Zurueck zur Heimseite klicke hier 

 

Der Hubschrauber landete auf einer Bergspitze der HARRIS MOUNTAINS.  Spitze ist nicht ganz das richtige Wort.  Es war eine flache Stelle, die gerade genug Platz für die Landekufen bot.  Dort kauerten wir uns neben dem Ausstieg nieder und hoben die Bündel zusammengebundener Schier aus dem am Hubschrauber angebrachten Behälter.  Die Rotoren fegten ober unseren Köpfen und wirbelten rund um uns Schnee auf.  Dann hob sich das Flugzeug, ließ sich der Bergflanke entlang zu Tal fallen und wir hatten den Gipfel und die sich darunter dehnenden Hänge für uns.

 

Wir waren drei Schifahrer, außer mir ein Mädchen und ein junger Chinese aus Sydney.  Dazu kam der Führer und ein Kameramann. Wir hatten Glück mit der Wahl des Tages.  Gerade vorher und nachher gab es Schlechtwetter. Gebucht hatten wir Wochen vorher.

 

Nun standen wir also oben auf einem der zackigen Gipfel und die Sonne strahlte über ein Panorama von schneebedeckten Hängen, Klüften und Wänden.  Die Täler zwischen den Bergen waren dunkel, schwarzgrün und schwarzbraun, weil der Schnee bereits auf den unteren Berghängen abrupt endete.

 

Unser Führer schärfte uns ein, ihm erst zu folgen, wenn er uns zuwinkte.  Manche Hänge mögen lawinengefährlich sein und alle gewöhnlichen Verhaltungsmaßregeln zur Verringerung von Lawinengefahr gelten auch beim "Helischifahren".  Jeder von uns hatte in seiner Brusttasche ein "Pieps", ein weltweit verwendetes österreichisches Erzeugnis, einen Sender und Empfänger von drahtlosen Signalen.  Jeder in der Gruppe mußte es den ganzen Tag auf "Senden" gestellt haben.  Sollte jemand von einer Lawine verschüttet werden, dann würde der Rest der Gruppe seine Geräte auf "Empfang" stellen und auf vorbestimmte Weise die Suche nach dem oder den Verunglückten durchführen.

 

Wenn ein guter Schifahrer nicht offensichtlich leicht und flüssig ein Gelände durchfährt, dann nehme ich immer an, daß die Schneebedingungen schwierig sind.  Unser Führer meisterte das erste Stück des Gipfelhanges erwartungsgemäß gut, aber nicht mühelos.  Ich folgte und fand meine Befürchtung bestätigt.  Hier lag nicht Pulver sondern schwerer Altschnee.  Ich mußte kämpfen, das Mädchen und der Chinese in den Schnee beißen.  Alle drei sollten wir heute Bescheidenheit lernen.  Die Pulver- oder Firnschneebilder aus Helischifilmen und von Werbephotos durften wir nicht erleben.  Es gab alle Arten von Schnee: weichen Tiefschnee, krustigen Schnee, Hartschnee mit Pulver überzuckert, schweren Tiefschnee, einmal allerdings sogar leichten Pulverschnee in einer kurzen Rinne.

 

Wir spürten nicht die Leichtigkeit, die verringerte Schwerkraft guter Schneeverhältnisse.  Kaum hatten wir uns auf bestimmte Bedingungen eingestellt, veränderte sich alles wieder.  Doch nicht nur der Schnee bot uns Abwechslung, auch das Gelände.  Wir fegten über Hänge, glitten an Felsabstürzen vorbei, gerieten in eine Hochschaubahn  natürlicher Mugeln aller Art und Höhe, schwangen durch Rinnen, querten breite Schultern, folgten Graten, überquerten Bäche und wanden uns durch die breiten Büschel neuseeländischen Gebirgsgrases. Um uns drehte sich gemächlich die grandiose Gebirgswelt.

 

Immer wieder holte uns der Hubschrauber zur Spitze des Berges hinauf.  Jedesmal folgten wir einer anderen Route.  Der immer stärker werdende Wind drohte den Schitag zu verkürzen.  Zwölftausend Fuß Höhe (etwa 3600 Höhenmeter) werden für einen solchen Tag versprochen.  Schließlich waren wir aber so hungrig, daß wir zum Mittagessen halt machten.  Eine Hubschraubermannschaft hatte einen Tisch in eine Schneewächte geschnitten und eine Unzahl von Speisen aufgedeckt: Fleisch- und Wurstarten, Früchte, verschiedene Arten von Brötchen, Kuchen, Tee und Kaffee, Fruchtsäfte, Salatgerichte.  Es wäre unmöglich gewesen, auch nur annähernd von allem zu kosten!

 

Trotz dem reichlichen Mittagmahl hatten wir unsere beste Abfahrt darnach und beklagten es, daß gerade dann unser Kameramann nicht mit uns fuhr. Oder fuhren wir gerade deswegen besser, weil er nicht dabei war?  Um die Nachmittagsmitte war der Sturm so stark geworden, daß das Landen auf dem Berggipfel gefährlich wurde.  Doch waren wir bereits die versprochenen Höhenmeter gefahren.  Der Rückflug allein wäre bereits das ganze Unternehmen wert gewesen.  Der Hubschrauber trug uns über Grate und Schluchten, Abhänge und Abgründe, über Schnee, Fels, Wald und Flußläufe, durch enge Täler und über weite Pässe, hinaus auf die Ebene, von wo wir am Morgen aufgebrochen waren.

 

© Joe Paul 2005

 

Zurueck zum Anfang klicke hier                                                        Zurueck zur Heimseite klicke hier