AUF DEN INSELN VON TAHITI

 

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Die Inselwelt von Tahiti würde in den Raum zwischen Norwegen, England und Griechenland hineinpassen, so weitreichend ist diese französische überseeische „Kolonie“. Vielleicht ist Unabhängigkeit nahe, denn die Franzosen haben – Gott sei Dank! – ihre Atombombenexplosionen auf dem Mururoa Atoll abgeschlossen. Warum sollten sie weiterhin jährlich Millionen Euro in die tahitianische Wirtschaft pumpen?

 

Tahiti und die anderen ozeanischen Vulkane des Archipel de la Société schieben sich auf den Äquator zu, vermeiden die regenreichen Stürme der „Roaring Forties“, denen Neuseeland die Stirne bietet, und baden im warmen Meer und dreißiggrädiger Luft. Das heißt allerdings nicht, daß es dort nie regnet oder stürmt. Auch die Sonne verbirgt sich oft hinter Wolkenmassen, was den Vorteil hat, daß hellhäutige Besucher ihre Haut nicht vollständig abbraten. Papeete, die Hauptstadt, liegt auf der größten Insel, dem eigentlichen Tahiti. Dort landen alle internationalen Flugzeuge und damit war es unser Ausgangspunkt.

 

 

 

Auf keiner der Gesellschaftsinseln ist viel Platz zwischen ihren Vulkanzacken und den steinigen Meeresufern. Daher läuft meistens eine Straße der Küste entlang und nur wenige holprige Wege führen in verwachsene steile Rinnen, auf schmale Hochebenen und Stümpfe magerer Vorhügel. Auf Tahiti quert allerdings seit einigen Jahren ein Fahrweg das Landesinnere. Auf diesem holperten wir in einem Geländefahrzeug durch tropischen Pflanzenwuchs einem schmächtigen Bach entlang, an Kraftwerkdämmen vorbei und erkletterten eine Anhöhe mit einem Hotel im Magen des greisen Kraters. Rundum dampften grüne schroffe Wände in warmen triefenden Nebelbänken. Dann tastete sich der enge Weg der Kraterwand entlang zu einem Tunnel, das den schmalen Grat durchstößt. Auf der anderen Seite stürzt das Land wieder ab, doch halt! Da liegt ein kleiner See, der einzige dieser Inselgruppe.

 

 

 

Auf Bora Bora liegt der Club Med, wo wir eine Woche verbrachten. Dort fanden wir die für den Club übliche Vielfalt leckerer Mahlzeiten, eine Auswahl von Wassersportarten und recht gute interne Abendunterhaltungen. Dazu kamen Feuertänze und Hulareigen des einheimischen Kulturensembles. Die Bauten des Clubs säumen einen schönen Strand. Noch schöner ist aber der einer nahen langgestreckten Insel, regelmäßig mit einem Boot erreichbar. Dort holte mich einer der GO, der Organisatoren, von einem Picknick frühzeitig ab, da ich mich zu einem Tauchausflug angemeldet hatte.

        

 

Wir schossen übers Wasser, hielten an dem niedrigen Landesteg des Clubs, ich sprang, verfing mich an der Kante des Stegs, prallte mit Wucht auf eine Vertäungsklampe und lief dann fort, um die starke Blutung der Platzwunde am Unterschenkel zu stoppen. Als Halina vom Picknick zurückkam, fand sie mich zu ihrem Erstaunen mit einem Eiswickel am Bein in unserem Bungalow. Dann kam ein Arzt, um mir einen Verband anzulegen, mit dem ich mich wieder frei bewegen konnte, so frei, daß ich in der Nacht stundenlang tanzte, meist mit einer charmanten Brasilianerin, der besten und temperamentvollsten Tänzerin.

 

Den Tauchversuch holte ich nach. Die Vorbereitungen nahmen verblüffend wenig Zeit in Anspruch. Am Sitz der Tauchfirma angekommen, erhielt jeder seine Tauchausrüstung zugeteilt und dann brauste unser Boot bereits zu einer Stelle der Lagune, wo das Wasser nur 4 – 6 m tief war. Übers Motorengeräusch hinweg brüllte der Tauchmeister in gebrochenem Englisch die Anweisungen, wie das Tauchen vor sich gehen sollte. Dann warf der Skipper bereits den Anker aus. Wir fünf Anfänger wurden von einem Tauchlehrer in Empfang genommen, sollten einer nach dem anderen über Bord fallen, die Tauchweste mit der Sauerstoffflasche angelegt bekommen und dann der Reihe nach vom Lehrer zum Meeresboden gebracht werden. Zwei Fingerzeichen lernten wir: für „alles klar“ und „ich habe Probleme“. Ich war zu allererst dran und mußte dann brav am Meeresgrund warten, bis die anderen nachkamen. Alle zusammen tauchten wir tiefer und betrachteten Korallen und Fische. Es hat mir besser als Schnorcheln gefallen und ich plane, so bald wie möglich einen echten Tauchkurs zu absolvieren.

 

An einem strahlenden Sonnentag nahmen Halina und ich an einem Bootsausflug innerhalb der Lagune rund um Bora Bora teil. Wir picknickten auf einer kleinen Riffinsel, die Halinas Mädchentraum von einem Südseeparadies nahe kam. Dann hielten wir an einer Stelle, wo wir im Wasser stehend und schwimmend einen Schwarm Stachelrochen fütterten und die Tiere befühlen konnten. Diese Rochen haben meterweite „Flügel“ und einen langen Schwanz, an dessen Wurzel eine giftspritzende Kanüle sitzt.

 

 

 

Der Abschied vom Segeln, Paddeln, Schwimmen, von der täglichen Gymnastik zu Lande und zu Wasser, von Spaß und Tanz, von unseren Freunden fiel nur deswegen nicht so schwer, weil wir sofort auf die nächste Insel, Huahine, flogen. Diese wird die „ungezähmte“ genannt. Große Teile des Inselinneren sind schwer zu durchqueren. Üppige Flora quillt bis zum Meer oder zum Rande der Siedlungen. Auch diese Insel besitzt eine Lagune, in der wir schnorchelten, das Züchten der berühmten schwarzen Perlen studierten und unter Wasser dem Füttern von Haien zusahen. Vor uns war ein Seil gespannt, das wir nicht überschwimmen durften, weil sich auf der anderen Seite die Haie tummelten.......

 

 

Auf Raiatea hatten wir die wohl schönste und bequemste Unterkunft, direkt am Meer unter Palmen. So nahe dem Strand waren wir, daß eines Abends in unserem Kleiderkasten eine Krabbe klapperte. Außer uns gab’s nur noch ein junges italienisches Ehepaar, deutschsprachig, aus Südtirol. Anschließend an unser Hotelgelände befand sich der größte und wichtigste Marae von Polynesien: Taputapuatea (= die große Kultstätte) mit seinen steinbelegten Gründen, den Altären entsprechenden Wällen und freistehenden Steinpfeilern. Dort kamen zum Jahrtausendwechsel Polynesier von allen Windrichtungen zusammen, um zu tanzen und zu feiern. Raiatea (=der ferne Himmel) soll einmal Hawaiiki geheißen haben und ist vermutlich die Insel, von der vor 1000 Jahren die Vorfahren unserer neuseeländischen Maori ihre Kanu in die Abenteuer ihrer Entdeckungsfahrten gesteuert haben.

 

 

 

Moorea, die „gelbe Echse“ genannte Insel, liegt unweit von Tahiti. Dort genossen wir einen der schönsten Strände und einen botanischen Ausflug ins Innere, das hier wohl am meisten den Plantagen von Ananas und Vanilla Platz bietet. Die Wände des eingestürzten Kraters sind ebenso brüchig wie auf den anderen Inseln, doch glänzen sie besonders abweisend mit ihrem glasartigen Basalt. Niemand hat sie erklettert; tollkühne Versuche haben mit Todesstürzen geendet.

 

    

 

 Wir ließen unsere Ferien in Gauguins Wahlheimat auf einem Atoll der Tuomotu Gruppe, auf Rangiroa, ausklingen. Auf einem Atoll ist der alte Vulkan längst im Meer versunken, nur ein Kranz von Riffen um die Lagune ist geblieben. Am Scheitel des Riffs hat sich Korallensand zu Land verfestigt und dieses liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Vom Laguneninneren zum offenen Meer sind es wenige hundert Meter.

 

 

 Unser Bungalow lag an der Lagune, die auf Rangiroa so groß ist, daß man die gegenüberliegenden Teile des Atolls nicht sieht. Das Wasser stößt strahlend blau und glasklar auf den weißen Korallensand. Es ist so warm, daß man in ihm sich wiegend mit den Wolken am Himmel träumen kann. Wie sonderbar, dort Allerseelen zu erleben und in der warmen Nacht in singender Prozession zum Lichtermeer des Friedhofs zu schreiten.

 

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© Joe Paul 2003